Parkausweis für behinderte beantragen

Eigentlich scheint alles klar: An vielen Stellen sind Behindertenparkplätze ausgewiesen. Wenn Du ein Handicap hast, kannst Du einen entsprechenden Parkausweis beantragen. Positionierst Du diesen Parkausweis dann gut sichtbar hinter der Windschutzscheibe, darfst Du Dein Auto auf einem Behindertenparkplatz abstellen. In der Praxis ist es aber nicht so einfach. Damit Du einen Parkausweis für Behinderte beantragen und nutzen kannst, müssen nämlich ein paar Voraussetzungen erfüllt sein.

Wer kann ihn beantragen?

Nicht alle Menschen mit Behinderung haben auch einen Anspruch auf einen Parkausweis, der zum Parken auf Behindertenparkplätzen berechtigt. Stattdessen besteht dieser Anspruch nur dann,

  • wenn eine Schwerbehinderung vorliegt
    und zusätzlich dazu
  • das Merkzeichen aG im Schwerbehindertenausweis eingetragen ist oder
  • das Merkzeichen Bl im Schwerbehindertenausweis eingetragen ist oder
  • eine beidseitige Amelie, eine beidseitige Phokomelie oder eine vergleichbare Beeinträchtigung vorliegt.

Parkausweis für behinderte beantragenEine Schwerbehinderung ist gegeben, wenn bei Dir ein Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 festgestellt wurde. Das Merkzeichen aG im Schwerbehindertenausweis steht für außergewöhnliche Gehbehinderung. Sie liegt vor, wenn Du Dich dauerhaft nur mit fremder Hilfe oder nur unter großer Anstrengung außerhalb Deines Autos bewegen kannst. Das Merkzeichen Bl steht für Blindheit. Eine Amelie ist der Fachausdruck für fehlende Gliedmaßen von Geburt an. Bei einer Phokomelie fehlen die Arme oder die Beine zwischen den Händen oder den Füßen und dem Körper.

Grundsätzlich haben nur Menschen, bei denen diese Voraussetzungen gegeben sind, einen Anspruch auf einen Parkausweis für Behinderte. Und nur sie sind dazu berechtigt, auf Behindertenparkplätzen zu parken.

Im April 2009 wurde die Personengruppe, die Parkerleichterungen beanspruchen kann, aber erweitert. In diesem Zuge wurden solche Behinderungen berücksichtigt, für die vorher in den meisten Bundesländern Ausnahmegenehmigungen erteilt wurden. Durch die Erweiterung der Personengruppe können seitdem auch dann Parkerleichterungen eingeräumt werden, wenn

  • Menschen mit Schwerbehinderung die Merkzeichen G und B haben und der GdB für Funktionsstörungen an den unteren Gliedmaßen mindestens 80 beträgt.
  • Menschen mit Schwerbehinderung die Merkzeichen G und B haben und der GdB für Funktionsstörungen an den unteren Gliedmaßen mindestens 70 beträgt. Gleichzeitig muss der GdB für Funktionsstörungen des Herzens oder der Atmungsorgane mindestens 50 betragen.
  • Menschen mit Schwerbehinderung an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden und hierfür ein GdB von mindestens 60 festgestellt wurde.
  • Menschen mit Schwerbehinderung infolge eines künstlichen Darmausgangs und einer künstlichen Harnableitung einen GdB von mindestens 70 haben.

Sind bei Dir diese Voraussetzungen erfüllt, kannst Du ebenfalls einen Parkausweis für Behinderte bekommen. Dieser Parkausweis ist aber nicht blau, sondern orange. Und er berechtigt Dich nicht dazu, auf Behindertenparkplätzen zu parken.

 

In Blau oder in Orange?

Für Menschen mit Behinderung gibt es zwei unterschiedliche Parkausweise. Der eine Parkausweis ist blau, der andere Parkausweis ist orange. Hast Du einen orangefarbenen Parkausweis, darfst Du

  • bis zu drei Stunden lang im eingeschränkten Halteverbot parken. In diesem Fall musst Du aber zusätzlich auch eine Parkscheibe auslegen, um Deine Ankunftszeit anzugeben.
  • auch über die zugelassene Zeit hinaus an Stellen parken, bei denen die Parkdauer zeitlich begrenzt ist.
  • in Fußgängerzonen in den Zeiten parken, die für Be- und Entladetätigkeiten freigegeben sind.
  • in Zonen mit Parkuhren oder Parkscheinautomaten kostenfrei und ohne zeitliche Begrenzung parken.
  • bis zu drei Stunden lang auf Parkplätzen für Bewohner parken.
  • in verkehrsberuhigten Bereichen auch außerhalb von gekennzeichneten Parkplätzen parken, wenn Du dadurch den Verkehr nicht behinderst.

Diese Parkerleichterungen kannst Du nutzen, wenn es keine andere Parkmöglichkeit in zumutbarer Entfernung gibt. Deinen orangefarbenen Parkausweis musst Du aber auf jeden Fall so im Auto anbringen, dass er gut sichtbar ist. Der orangefarbene Parkausweis ist in ganz Deutschland gültig. Er berechtigt Dich aber nicht dazu, auf Parkplätzen zu parken, die als Behindertenparkplätze ausgewiesen sind.

 

Hast Du einen blauen Parkausweis, gelten für Dich die eben genannten

Parkerleichterungen ebenfalls. Zusätzlich dazu darfst Du außerdem auch auf Behindertenparkplätzen parken. Der blaue Parkausweis ist in der gesamten EU und in der Schweiz gültig. Aus diesem Grund wurde vor einigen Jahren auch ein Parkausweis eingeführt, der in der gesamten EU identisch aussieht. Die alten Behindertenparkausweise ohne Lichtbild sind bereits 2010 abgelaufen. Deinen blauen Parkausweis musst Du gut sichtbar im Auto platzieren, wenn Du auf einem Behindertenparkplatz stehst. Andernfalls riskierst Du, dass Du ein Bußgeld von 35 Euro bekommst und Dein Auto kostenpflichtig abgeschleppt wird. Die Parkdauer auf einem Behindertenparkplatz ist auf 24 Stunden begrenzt, sofern keine kürzere Parkzeit ausgewiesen ist.

 

Wo muss er beantragt werden?

Wenn Du einen Parkausweis beantragen möchtest, musst Du Dich an das Straßenverkehrsamt wenden. Zuständig ist dabei das Amt, das den Ort betreut, an dem Dein Auto zugelassen ist. Die Behörde händigt Dir das Antragsformular aus und teilt Dir mit, welche Unterlagen Du zusätzlich einreichen musst. Das Straßenverkehrsamt entscheidet dann auch über Deinen Antrag und stellt den Parkausweis aus. Die Bearbeitung von Deinem Antrag ist kostenlos und für den Parkausweis selbst fallen ebenfalls keine Gebühren an. Erhältst Du einen orangefarbenen Parkausweis, ist darauf vermerkt, welche Parkerleichterungen Du in Anspruch nehmen kannst. Bekommst Du den blauen Parkausweis, darfst Du alle geltenden Parkerleichterungen nutzen und auf Behindertenparkplätzen parken.

Übrigens: Die Erteilung eines Parkausweises setzt nicht voraus, dass Du selbst das Fahrzeug fährst. Hast Du aufgrund Deiner Behinderung gar keinen Führerschein oder bist Du nicht in der Lage, ein Fahrzeug zu führen, kannst Du trotzdem einen Parkausweis bekommen. In diesem Fall können dann beispielsweise Dein Ehepartner, Dein Kind oder eine andere Person den Parkausweis nutzen. Dies gilt aber nur dann, wenn Du mitfährst. Es muss sich also um eine Fahrt handeln, bei der Du irgendwohin befördert wirst. Wenn Du nicht mitfährst, darf der Parkausweis auch nicht verwendet werden. Selbst dann nicht, wenn der Fahrer etwas für Dich besorgt oder erledigt. Andersherum kannst Du natürlich auch als Elternteil von einem schwerbehinderten Kind einen Parkausweis bekommen und ihn nutzen, wenn Du mit Deinem Kind unterwegs bist.

 

Wie lange ist er gültig?

Ein Behindertenparkausweis kann für maximal fünf Jahre ausgestellt werden. Seine Gültigkeitsdauer ist aber an den Schwerbehindertenausweis gebunden. Der Parkausweis ist also höchstens so lange gültig wie Dein aktueller Schwerbehindertenausweis. Wird Dein Schwerbehindertenausweis verlängert und sind die Voraussetzungen nach wie vor erfüllt, erhältst Du aber auch problemlos einen neuen Parkausweis.