Bildungsurlaub beantragen

Beim Bildungsurlaub handelt es sich um eine Sonderform des Urlaubs. Da die Absicht dieses Urlaub in der beruflichen, seltener auch politischen Weiterbildung liegt, wird der Bildungsurlaub mitunter auch als Bildungsfreistellung bezeichnet, um ihn auf diese Weise vom Erholungsurlaub abzugrenzen. In fast allen Bundesländern haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf Bildungsurlaub, aber nur etwa zwei Prozent aller Arbeitnehmer nehmen diesen Anspruch auf wahr.

Was bedeutet Bildungsurlaub genau?

Es gibt praktisch kein Arbeitsfeld, indem sich der Arbeitnehmer nicht immer wieder mit neuen Anforderungen im Hinblick auf die technischen, organisatorischen oder kommunikativen Kompetenzen konfrontiert sieht. Es reicht heutzutage nicht mehr aus, sich allein auf das Wissen zu berufen, das einst im Zuge der Ausbildung erlernt wurde. Arbeitnehmer, die die Initiative zum sogenannten lebenslangen Lernen ergreifen, unterstützt der Gesetzgeber durch den Bildungsurlaub. Mit Ausnahme des Saarlands ist dabei eine bezahlte Freistellung für fünf Arbeitstage pro Jahr vorgesehen. Im Unterschied zu den meisten anderen staatlichen Förderungen können Arbeitnehmer beim Bildungsurlaub weitgehend selbst entscheiden, welche Inhalte ihre Weiterbildung haben soll.

Die Kosten für diese Form der Weiterbildung teilen sich der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber. Während der Arbeitnehmer nämlich die Seminargebühren übernimmt, stellt ihn der Arbeitgeber bezahlt von der Arbeit frei. Die Idee dahinter ist, dass auch beide Seiten vom Bildungsurlaub profitieren. Der Arbeitnehmer erwirbt neues oder vertieft vorhandenes Wissen, das er im Arbeitalltag einbringen kann. Gleichzeitig wirkt es sich positiv auf die Motivation aus, wenn ein Arbeitnehmer weiß, dass er zu den qualifizierten Mitarbeitern auf aktuellem fachlichen Stand gehört.

 

Wie ist der Bildungsurlaub geregelt?

Bildungsurlaub beantragenTrotz eines Übereinkommens der Internationalen Arbeitsorganisation aus dem Jahre 1976 wurde nie ein bundeseinheitliches Gesetz zum Bildungsurlaub erlassen. Stattdessen ist der Bildungsurlaub durch landesrechtliche Gesetze geregelt. Dabei gibt es zwar Übereinstimmungen, aber genauso auch Unterschiede. In der Praxis bedeutet das beispielsweise, dass ein Seminar in einem Bundesland als Maßnahme während des Bildungsurlaubs anerkannt sein kann, im benachbarten Bundesland aber nicht. In Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und Thüringen wiederum gibt es überhaupt keine Bildungsurlaubsgesetze. Wer seinen Arbeitsplatz in einem dieser Bundesländer hat, hat somit auch keinen Anspruch auf einen Bildungsurlaub.

 

Wer hat Anspruch auf Bildungsurlaub?

Der Bildungsurlaub beinhaltet eine bezahlte Freistellung von der Arbeit, die für eine Weiterbildung genutzt werden soll. Eine Grundvoraussetzung ist deshalb, dass es sich beim Bildungsurlauber um einen Arbeitnehmer handelt. Studenten, Rentner, Hausfrauen oder Arbeitslose können die Seminare zwar selbstverständlich auch besuchen, um sich beruflich weiterzubilden, für sie handelt es sich dann aber nicht um bezahlten Bildungsurlaub. Azubis haben in aller Regel ebenfalls keinen Anspruch auf Bildungsurlaub, denn sie sollen ja zunächst einmal die Ausbildungsinhalte erlernen. Je nach Bundesland kann ein Bildungsurlaub dann noch an weitere Bedingungen geknüpft sein, beispielsweise an eine bestimmte Beschäftigungsdauer des Arbeitnehmers oder an eine gewisse Betriebsgröße. Ein paar weitere Infos rund um den Bildungsurlaub zeigt dieses Video: http://www.youtube.com/watch?v=XWYDKHLaENY

 

Wie wird ein Antrag auf Bildungsurlaub gestellt?

Im Grunde genommen wird der Antrag auf Bildungsurlaub ähnlich gestellt wie der Antrag auf einen herkömmlichen Erholungsurlaub. Allerdings gibt es ein paar Besonderheiten, die beachtet werden müssen:

  • Zunächst einmal sollte sich der Arbeitnehmer informieren, ob es in dem Bundesland, in dem er arbeitet, ein Bildungsurlaubsgesetz gibt. Für den Anspruch auf Bildungsurlaub und die Regelungen dazu ist immer die Arbeitsstätte maßgeblich und nicht der Wohnort des Arbeitnehmers. Zudem sollte er überprüfen, ob er anspruchsberechtigt ist.
  • Als nächstes kann sich der Arbeitnehmer ein Seminar aussuchen, das zu seinen Interessen passt. Bei der Auswahl sollte er aber auf zwei Kriterien achten. So sollte das Seminar zum einen in irgendeiner Form mit der Berufstätigkeit zusammenhängen oder dafür nützlich sein. Andernfalls kann es nämlich passieren, dass der Arbeitgeber für dieses Seminar keinen Bildungsurlaub gewährt. Zum anderen muss das Seminar nach dem Bundesurlaubsgesetz des jeweiligen Bundeslandes anerkannt sein. Ist beides der Fall, kann sich der Arbeitnehmer anmelden.
  • Nach der Anmeldung schickt der Veranstalter des Seminars üblicherweise die Anmeldebestätigung, die Anerkennung und den inhaltlichen Ablaufplan zu. Diese Unterlagen legt der Arbeitnehmer dann seinem Arbeitgeber vor und beantragt damit den Bildungsurlaub. Da der Arbeitgeber aber die Möglichkeit haben muss, den Bildungsurlaub, genauso wie einen Erholungsurlaub auch, einzuplanen, sollte der Antrag möglichst frühzeitig gestellt und der Termin für das Seminar entsprechend gewählt werden. Je nach Bundesland schreiben die Regelungen eine bestimmte Antragsfrist vor, meist muss der Antrag spätestens vier bis sechs Wochen vor Seminarbeginn vorliegen.
  • Hat der Arbeitgeber den Antrag genehmigt, kann der Arbeitnehmer seinen Bildungsurlaub antreten. Sollte der Arbeitgeber den Antrag ablehnen, kann möglicherweise der Betriebsrat oder ein Rechtsanwalt zu Rate gezogen werden und überprüfen, ob die Ablehnung berechtigt ist.

 

Wann kann der Arbeitgeber einen Antrag auf Bildungsurlaub ablehnen?

Ähnlich wie auch beim gewöhnlichen Erholungsurlaub kann der Arbeitgeber den Antrag auf Bildungsurlaub aus betrieblichen Gründen ablehnen. Weitere mögliche Gründe für eine Ablehnung können sich aus den Landesgesetzen ergeben. So kann es beispielsweise sein, dass der Arbeitnehmer bei seinem Antrag auf Bildungsurlaub bestimmte Fristen einhalten muss oder dass Arbeitgeber erst ab einer bestimmten Unternehmensgröße Bildungsurlaub gewähren müssen. Ein anderer Grund kann sein, dass der Arbeitgeber Zweifel am sogenannten Mindestnutzen der Weiterbildung hat. Nach einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts hat der Arbeitgeber einen Anspruch darauf, dass auch er in gewisser Weise von der Weiterbildung profitiert, denn immerhin stellt er den Arbeitnehmer unter Lohnfortzahlung frei. Mindestnutzen bedeutet allerdings nicht, dass die Inhalte der Weiterbildung in der Berufspraxis tagtäglich anwendbar sein müssen. Stattdessen reicht es aus, wenn die neu erlernten Inhalte in den Berufsalltag einfließen können oder die Basis für eine Weiterentwicklung in dem jeweiligen Beruf bilden. Möchten beispielsweise ein Sachbearbeiter oder eine Erzieherin eine Fremdsprache wie Russisch oder Türkisch erlernen, weil sie mit diesen Sprachen im Berufsalltag gelegentlich in Kontakt kommen, wäre ein Mindestnutzen gegeben. Möchte hingegen eine Krankenschwester ein Seminar besuchen, bei dem es um eine bestimmte Programmiersprache geht, wird sie es eher schwer haben, plausibel zu erläutern, dass sie dieses Wissen jemals im Rahmen ihrer Berufstätigkeit anwenden wird.