Stundungsantrag – Alles dazu hier

Letztlich kann es jedem passieren, dass er eine fällige Zahlung nicht pünktlich leisten kann. In einer solchen Situation hat der Schuldner dann mehrere Möglichkeiten. So kann er versuchen, das Geld irgendwie aufzutreiben, beispielsweise indem er es sich leiht oder indem er andere Rechnungen zurückstellt. Unterm Strich wird dies die Situation aber meist nicht wirklich verbessern. Daneben kann der Schuldner in der Hoffnung auf einen baldigen Geldeingang zunächst einfach abwarten. Dadurch riskiert er aber, dass der Gläubiger ihm Mahnungen schickt oder gar Vollstreckungsmaßnahmen einleitet, was die Kosten nur noch höher werden lässt. Als weitere Möglichkeit und zudem oft sehr sinnvolle Lösung kann der Schuldner einen Antrag auf Stundung stellen.

Was ist eine Stundung und wie wirkt sie sich aus?

Die Leistungsverpflichtung zwischen einem Gläubiger und einem Schuldner ist durch das Bürgerliche Gesetzbuch, kurz BGB, geregelt:

Vereinbaren der Gläubiger und der Schuldner nun eine Stundung, schieben sie die Fälligkeit der Forderung damit zeitlich hinaus. Im Prinzip heißt eine Stundung also nichts anderes, als dass der Gläubiger dem Schuldner einen Zahlungsaufschub gewährt. Die Zahlung wird dadurch nicht mehr zu dem Zeitpunkt fällig, der eigentlich vereinbart war oder sich durch das Gesetz ergibt, sondern erst zu einem neuen, späteren Zeitpunkt.

Das Gesetz regelt die Stundung als solches nicht, sondern nur ihre Folgen. Demnach hat eine Stundung drei wesentliche Wirkungen:

  1. Ist eine Stundung vereinbart, gerät der Schuldner mit seiner Zahlung nicht in Verzug. Er kann die Zahlung aber trotzdem nach wie vor jederzeit und damit auch vor der neu vereinbarten Fälligkeit leisten.
  2. Der Gläubiger hat nicht die Möglichkeit, seine Forderung vorzeitig durchzusetzen.
  3. Die Verjährung beginnt nicht. Dies liegt daran, dass die Verjährung an den Zeitpunkt geknüpft ist, an dem eine Forderung fällig ist.

Als weitere Konsequenz kann die Vereinbarung einer Stundung so ausgelegt werden, als habe der Schuldner damit seine Schuld gegenüber dem Gläubiger anerkannt.

 

Wann kann ein Stundungsantrag vereinbart werden?

Antrag auf StundungEine Stundung kann schon vor Fälligkeit der Forderung, aber auch erst nachdem die Zahlung eigentlich fällig war, vereinbart werden. Außerdem können sich der Gläubiger und der Schuldner bereits bei Vertragsabschluss oder im Nachhinein auf einen Zahlungsaufschub einigen. Wird die Stundung nachträglich vereinbart, liegt eine Vertragsänderung vor. Eine Vertragsänderung wiederum kann nur dann wirksam werden, wenn sie den Anforderungen, die für den dazugehörigen Vertrag gelten, gerecht wird. Nun müssen bei sehr vielen Verträgen aber keine bestimmten Formvorschriften eingehalten werden. Die meisten Kaufverträge beispielsweise bedürfen für ihre Wirksamkeit nicht der Schriftform, sondern können genauso auch mündlich geschlossen werden. Deshalb wäre hier auch eine nur mündlich vereinbarte Stundung grundsätzlich wirksam. Aus Beweisgründen ist es aber sinnvoller, den Zahlungsaufschub schriftlich festzuhalten. Bei Verträgen, die für ihre Wirksamkeit der Schriftform bedürfen, muss auch die Stundungsvereinbarung diese Anforderung ohnehin erfüllen.

In den meisten Fällen bezieht sich eine Stundung auf einen bestimmten Stundungszeitraum. Das bedeutet, der Gläubiger gewährt einen zeitlich befristeten Zahlungsaufschub und spätestens wenn die Frist abgelaufen ist, muss der Schuldner die Zahlung leisten. Möglich ist aber auch, eine sogenannte auflösende Bedingung zu vereinbaren. In diesem Fall muss der Schuldner die Zahlung sofort und unabhängig von der vereinbarten Stundungsfrist leisten, wenn er dazu in der Lage ist.

 

Wie wird ein Stundungsantrag gestellt?

Ist der Schuldner in einen finanziellen Engpass geraten und kann er die anstehende Zahlung nicht leisten, kann er eine Stundung beantragen. Dafür gibt es allerdings kein bestimmtes Antragsformular, sondern der Schuldner setzt ein eigenes Schreiben auf. In diesem Schreiben erklärt der Schuldner, warum es ihm nicht möglich ist, seiner Zahlungsverpflichtung derzeit nachzukommen. Gleichzeitig sollte der Schuldner aber glaubhaft und schlüssig aufzeigen, dass und weshalb er seine Schulden zu einem späteren Zeitpunkt bezahlen können wird. Nur dann macht es nämlich überhaupt Sinn, einen Zahlungsaufschub zu vereinbaren.

 

Mustervorlage für einen Antrag auf Stundung

Schuldner
Anschrift

Gläubiger
Anschrift

Ort, den Datum

Bitte um Stundung der [Bezeichnung der Forderung]
[Aktenzeichen / Rechnungsnummer / Steuernummer / Kundennummer]

Sehr geehrte Damen und Herren,

die o. g. Forderung über ……… Euro ist zum …………. fällig. Leider ist es mir derzeit nicht möglich, dieser Zahlungsverpflichtung nachzukommen.

Meine monatlichen Einnahmen aus meiner beruflichen Tätigkeit / in Form von Sozialleistungen / in Form von Krankengeld belaufen sich momentan auf ……….. Euro. Aus diesen Einnahmen muss ich sämtliche anfallenden Ausgaben und Lebenshaltungskosten bestreiten. Selbstverständlich versuche ich immer, allen Zahlungsverpflichtungen pünktlich nachzukommen. Vor allem wenn nichtgeplante Ausgaben unvermeidbar sind, lässt dies mein geringes Einkommen jedoch schlichtweg nicht zu.

Deshalb bitte ich Sie um eine zins- und kostenfreie Stundung Ihrer Forderung mir gegenüber für …… Monate / bis zum ……….. . Dieser Zahlungsaufschub würde mir die Möglichkeit geben, den Rechnungsbetrag entsprechend einzukalkulieren.

Sofern mir eine Zahlung vor Fristablauf möglich sein sollte, werde ich die Forderung selbstverständlich vorzeitig begleichen. Ich versichere Ihnen jedoch, dass Sie auf jeden Fall spätestens zum ……………. über das Geld verfügen können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

 

Mit freundlichen Grüßen,

Unterschrift