Antrag auf Gründungszuschuss

Es kann viele verschiedene Gründe geben, weshalb jemand den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Während der eine vielleicht schon lange eine gute Geschäftsidee hat und den Zeitpunkt jetzt für richtig hält, um sie endlich in die Tat umzusetzen, möchte sich ein anderer möglicherweise den Traum von Dasein als unabhängiger und eigenverantwortlicher Unternehmer erfüllen. Wieder ein anderer sucht vielleicht schon länger erfolglos nach einem Job und sieht in der Selbstständigkeit die Chance, die Arbeitslosigkeit hinter sich zu lassen. In der Tat kann die Gründung einer selbstständigen Existenz die Arbeitslosigkeit erfolgreich und dauerhaft beenden. Allerdings birgt dieser Weg auch einige Risiken und Stolpersteine.

Umso wichtiger ist es deshalb, die Selbstständigkeit sehr sorgfältig zu planen und gut vorzubereiten. Dabei ist der Existenzgründer aber nicht auf sich alleine gestellt, denn er kann – und sollte – professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. So kann er beispielsweise Seminare für Existenzgründer besuchen und sich von fachkundigen Stellen beraten und bei der Ausarbeitung seines Businessplans helfen lassen. Macht sich der Existenzgründer aus der Arbeitslosigkeit heraus selbstständig, kann er außerdem mit dem sogenannten Gründungszuschuss auch eine finanzielle Unterstützung erhalten.

Was ist der Gründungszuschuss?

Der Gründungszuschuss ist ein Instrument, das die Gründung einer selbstständigen Existenz fördern soll. Dabei liegt der Zweck des Gründungszuschusses, der zusätzlich zu anderen öffentlichen Fördermitteln gewährt werden kann, in der Sicherung des Lebensunterhalts und der sozialen Absicherung des Existenzgründers. Allerdings ist der Gründungszuschuss eine sogenannte Kann-Leistung. Das bedeutet, der Existenzgründer hat keinen Rechtsanspruch auf den Gründungszuschuss, sondern es liegt rein im Ermessen des Sachbearbeiters, ob diese Form der Förderung bewilligt wird oder ob nicht.

 

Für wen ist der Gründungszuschuss vorgesehen?

Damit ein Existenzgründer den Gründungszuschuss erhalten kann, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Existenzgründer muss arbeitslos sein. Der Gründungszuschuss ist ein Instrument, das die Beendigung der Arbeitslosigkeit zum Ziel hat. Deshalb kommt er nur dann in Frage, wenn der Existenzgründer auch tatsächlich arbeitslos ist. Bei einem direkten Wechsel aus einem Arbeitsverhältnis in die Selbstständigkeit kann der Gründungszuschuss nicht in Anspruch genommen werden.
  • Der Anspruch auf Arbeitslosengeld I muss mindestens 150 Tage betragen. Damit der Gründungszuschuss bewilligt werden kann, muss der Existenzgründer mindestens einen Tag lang arbeitslos sein. Gleichzeitig muss der Anspruch auf Arbeitslosengeld I aber noch mindestens 150 Tage betragen, wenn der Existenzgründer seine selbstständige Tätigkeit aufnimmt. Es ist also nicht möglich, den vollen Arbeitslosengeldanspruch auszuschöpfen und erst danach in die Selbstständigkeit zu starten. Die Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit muss aber nicht bedeuten, dass der Gewerbebetrieb bereits in vollem Umfang laufen muss. Stattdessen kann die Selbstständigkeit auch durch Vorbereitungen wie beispielsweise das Schalten von Werbeanzeigen aufgenommen werden.
  • Die Selbstständigkeit muss hauptberuflich ausgeübt werden. Da die Selbstständigkeit die Arbeitslosigkeit beenden soll, muss der Existenzgründer seiner neuen Tätigkeit hauptberuflich nachgehen. Die Arbeitszeit muss dabei bei mindestens 15 Wochenstunden liegen.
  • Das Vorhaben muss tragfähig sein. Die Existenzgründung soll nicht nur kurzfristig die Arbeitslosigkeit beenden, sondern eine langfristige und dauerhafte Erwerbsgrundlage schaffen. Die Tragfähigkeit des Vorhabens muss deshalb von einer fachkundigen Stelle bewertet und in einer Stellungnahme, die als Nachweis gegenüber der Arbeitsagentur dient, bestätigt werden.
  • Der Existenzgründer muss persönlich und fachlich geeignet sein. Der Existenzgründer muss aufzeigen, dass er sowohl als Person als auch in fachlicher Hinsicht über die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten für die Ausübung der Tätigkeit verfügt. Diesen Nachweis kann er beispielsweise durch fachliche und unternehmerische Qualifikationsnachweise, durch seine Berufserfahrung oder durch die Teilnahme an Maßnahmen und Seminaren rund um die Existenzgründung erbringen.

 

Wie wird ein Antrag auf Gründungszuschuss gestellt?

Antrag auf GründungszuschussDer Existenzgründer muss den Gründungszuschuss beantragen, bevor er seine selbstständige Tätigkeit aufnimmt. Sein Ansprechpartner dabei ist die Agentur für Arbeit, die für seinen Wohnort zuständig ist. Dort erhält er auch die amtlichen Antragsformulare. Bevor der Existenzgründer den Antrag einreichen kann, muss er jedoch die Stellungnahme einer fachkundigen Stelle einholen. Als fachkundige Stellen kommen je nach Tätigkeitsschwerpunkt in erster Linie die IHK, die HWK oder andere berufsständische Kammern und Fachverbände in Frage. Daneben können unter anderem Kreditinstitute, Gründerzentren, Steuerberater, Rechtsanwälte, Unternehmensberater und Wirtschaftprüfer die Tragfähigkeit bescheinigen. Damit die jeweilige Stelle das Gründungsvorhaben und dessen Tragfähigkeit bewerten kann, muss der Existenzgründer einen Geschäftsplan vorlegen. Dieser umfasst im Normalfall

  • eine kurze Beschreibung des Gründungsvorhabens,
  • einen Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan,
  • eine Umsatz- und Rentabilitätsprognose,
  • den Lebenslauf und Nachweise für die fachliche Eignung,
  • den Gewerbeschein bei gewerblichen Tätigkeiten oder die Steuernummer bei Freiberuflern und
  • eine Begründung, weshalb eine vorherige Selbstständigkeit aufgegeben wurde, wenn der Existenzgründer schon einmal selbstständig war.

Auf Basis dieser Unterlagen erstellt die Stelle, die der Existenzgründer übrigens frei wählen kann, ihre Stellungnahme. Diese Stellungnahme reicht der Existenzgründer dann zusammen mit dem Antragsvordruck bei der Arbeitsagentur ein. Weitere Infos zum Antragsverfahren zeigt dieses Video:

 

Wie lange und in welcher Höhe wird der Gründungszuschuss gewährt?

Der Gründungszuschuss kann maximal 15 Monate lang in Anspruch genommen werden. Dabei gliedert sich die Förderung in zwei Phasen:

1. Die erste Phase dauert sechs Monate. In dieser Zeit erhält der Existenzgründer einen Zuschuss zur Sicherung seines Lebensunterhalts. Dieser Zuschuss fällt genauso hoch aus wie das zuletzt bezogene Arbeitslosengeld. Zusätzlich dazu erhält der Existenzgründer 300 Euro monatlich für seine soziale Absicherung, also für die Beiträge für die Kranken- und Pflegeversicherung sowie auf Wunsch die Renten- und die Arbeitslosenversicherung.

2. Die zweite Phase dauert neun Monate. In dieser Phase erhält der Existenzgründer nur noch den Betrag von 300 Euro monatlich. Voraussetzung dafür, dass der Existenzgründer die Förderung in dieser zweiten Phase erhält, ist aber, dass er seine weiterhin bestehende hauptberufliche Selbstständigkeit belegen kann. Außerdem müssen die Prognosen aus dem Businessplan eingetreten sein und das Gründungsvorhaben muss sich als tragfähig erwiesen haben. Die Weiterbewilligung des Gründungszuschusses über die ersten sechs Monate hinaus ist dabei wieder Ermessenssache der Arbeitsagentur.