Antrag auf Altersteilzeit

Die Altersteilzeit bietet älteren Arbeitnehmern die Möglichkeit eines gleitenden Übergangs vom Berufsleben in den Ruhestand. Statt also von heute auf morgen aus der regulären Erwerbstätigkeit ins Rentnerdasein zu wechseln, können Arbeitnehmer ihren Ruhestand durch die Altersteilzeit allmählich vorbereiten.

Wer kann in Altersteilzeit gehen?

Um in Altersteilzeit gehen zu können, müssen vier Voraussetzungen erfüllt sein:

1. Der Arbeitnehmer muss das 55. Lebensjahr vollendet haben.

 

2. Der Arbeitnehmer muss in den fünf Jahren, die der Altersteilzeit vorausgehen, mindestens 1.080 Kalendertage sozialversicherungspflichtig tätig gewesen sein. 1.080 Kalendertage entsprechen rund drei Jahren. Ob der Arbeitnehmer dabei in Vollzeit oder in Teilzeit gearbeitet hat, spielt keine Rolle. Entscheidend ist lediglich, dass Sozialversicherungsbeiträge gezahlt wurden. Außerdem kann die Dauer von 1.080 Kalendertagen auch dann erfüllt sein, wenn der Arbeitnehmer im EU-Ausland tätig war oder Arbeitslosengeld I, Arbeitslosengeld II oder andere Entgeltersatzleistungen wie beispielsweise Krankengeld bezogen hat.

3. Der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer haben die Altersteilzeit vereinbart und beide Seiten haben dieser Vereinbarung zugestimmt. Die Altersteilzeit basiert immer auf einer freiwilligen Entscheidung, einen Rechtsanspruch darauf hat der Arbeitnehmer nach dem Altersteilzeitgesetz grundsätzlich nicht. Der Tarifvertrag, eine Betriebsvereinbarung oder der Arbeitsvertrag können zwar einen Anspruch auf Altersteilzeit herleiten, allerdings muss der Arbeitgeber auch dann nur bei einem bestimmten Prozentsatz seiner Arbeitnehmer zustimmen.

4. Die Altersteilzeit muss für einen Zeitraum von mindestens drei Jahren vereinbart werden und mit dem Beginn der Altersrente enden. Das bedeutet, der Arbeitnehmer muss mindestens drei Jahre lang in Alterszeit sein und der Bezug der Altersrente muss sich direkt an die Altersteilzeit anschließen.

 

Wie kann die Altersteilzeit gestaltet werden?

Die Vereinbarung von Altersteilzeit bedeutet immer, dass die Arbeitszeit, die bislang vereinbart war, halbiert wird. Ob der Arbeitnehmer in Vollzeit oder bereits in Teilzeit tätig ist, spielt dabei keine Rolle. Maßgeblich ist nur die bisherige Arbeitszeit, die sich durch die Altersteilzeit auf die Hälfte reduziert. Für die Gestaltung der Altersteilzeit gibt es dann im Wesentlichen zwei mögliche Varianten:

  • Das Gleichverteilungsmodell. Bei diesem Modell ist der Arbeitnehmer während der gesamten Dauer der Altersteilzeit für seinen Arbeitgeber tätig, nur dass sich seine Arbeitszeit eben halbiert hat. Je nach Unternehmen und Vereinbarungen kann dies umgesetzt werden, indem der Arbeitnehmer nur noch halbtags arbeitet oder indem er beispielsweise eine Woche arbeitet und eine Woche frei hat. Da das Gleichverteilungsmodell die ursprüngliche Idee der Altersteilzeit umsetzt, wird hier mitunter auch von der echten Altersteilzeit gesprochen.
  • Das Blockmodell. Beim Blockmodell gliedert sich die Altersteilzeit in zwei Abschnitte. Der erste Abschnitt ist die sogenannte Arbeitsphase und in diesem Abschnitt arbeitet der Arbeitnehmer ganz normal weiter. Er erhält aber schon während der Arbeitsphase nur noch das Altersteilzeitentgelt. Nach der Arbeitsphase folgt der zweite Abschnitt, die sogenannte Freistellungsphase. Während der Freistellungsphase bezieht der Arbeitnehmer weiterhin sein Altersteilzeitentgelt, ist von der Arbeit aber freigestellt. Beträgt die bisherige Arbeitszeit des Arbeitsnehmers beispielsweise 40 Stunden pro Woche und hat er 4 Jahre Altersteilzeit im Blockmodell vereinbart, würde er also zwei Jahre lang ganz normal 40 Stunden pro Woche weiterarbeiten und in den beiden darauffolgenden Jahren freigestellt sein. Sein Einkommen wäre in den vier Jahren jedoch gleich. Die überwiegende Mehrheit aller Arbeitnehmer, die in Alterteilzeit gehen, entscheidet sich für das Blockmodell. Vor allem im Insolenzfall können sich durch das Blockmodell jedoch deutliche Nachteile ergeben:

 

Wie wirkt sich die Altersteilzeit auf das Einkommen aus?

Antrag auf AltersteilzeitDa sich durch die Altersteilzeit die Arbeitszeit auf die Hälfte reduziert, halbiert sich grundsätzlich auch das monatliche Arbeitseinkommen. Allerdings stockt der Arbeitgeber das Regelarbeitsentgelt auf. Das Regelarbeitsentgelt ist das Entgelt, das der Arbeitnehmer bislang regulär verdient hat und das sich aus Bestandteilen wie dem Grundgehalt, regelmäßigen Zulagen, Prämien und Zuschlägen, vermögenswirksamen Leistungen, Sachbezügen und anderen geldwerten Vorteilen zusammensetzt. Überstundenvergütungen, Einmalzahlungen und sonstige unregelmäßige Zahlungen gehören nicht zum Regelarbeitsentgelt. Während der Altersteilzeit muss der Arbeitgeber das Regelarbeitsentgelt um mindestens 20 Prozent aufstocken. Für den Arbeitnehmer heißt das, dass er zwar nur noch die halbe Arbeitszeit hat, aber trotzdem weiterhin mindestens 70 Prozent seines bisherigen Entgelts bekommt. Außerdem stockt der Arbeitgeber die Rentenversicherungsbeiträge auf. Hier zahlt er nämlich Beiträge in die Rentenkasse ein, bei denen 80 Prozent des Regelarbeitsentgelts die Berechnungsgrundlage bilden. Bis vor wenigen Jahren hatte der Arbeitgeber die Möglichkeit, sich die Aufstockungsbeträge von der Bundesagentur für Arbeit erstatten zu lassen. Diese Förderung gibt es nun nicht mehr oder genauer nur noch für die Arbeitnehmer, die vor dem 01. Januar 2010 in Altersteilzeit gegangen sind. Bei allen Arbeitnehmern, die ihre Altersteilzeit nach diesem Stichtag angetreten haben, muss der Arbeitgeber die Aufstockungsbeiträge selbst aufbringen. Für Arbeitnehmer sind die 20 Prozent des aufgestockten Regelarbeitsentgelts steuerfrei, unterliegen aber dem Progressionsvorbehalt.

 

Wir wird ein Antrag auf Altersteilzeit gestellt?

Ein offizielles Formular, das der Arbeitnehmer ausfüllen und einreichen muss, wenn er Altersteilzeit beantragen möchte, gibt es nicht. Dies liegt daran, dass die Altersteilzeit auf einer freiwilligen Vereinbarung zwischen dem Arbeitnehmer und seinem Arbeitgeber beruht und nicht von einer offiziellen Stelle entschieden wird. Der Arbeitnehmer sollte deshalb wie folgt vorgehen:

  • Das Wichtigste überhaupt ist, sich Klarheit zu verschaffen und alle relevanten Informationen zusammenzutragen. Hierzu gehört, sich bei der Rentenversicherung zu erkundigen, ab wann Altersrente bezogen werden kann und wie sich die Altersteilzeit auf die Höhe der Altersrente auswirken wird. Außerdem sollte der Arbeitnehmer sein Einkommen während der Altersteilzeit ausrechnen und seinen finanziellen Verpflichtungen gegenüberstellen.
  • Hat der Arbeitnehmer alle Fakten zusammengetragen und sich für die Altersteilzeit entschieden, führt sein nächster Weg zum Arbeitgeber. Zusammen mit dem Arbeitgeber muss er abklären, ob Altersteilzeit überhaupt möglich ist und wenn ja, wie diese gestaltet werden kann. Gibt der Arbeitgeber grünes Licht, wird die Vereinbarung schriftlich festgehalten. Dazu wird der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer einen entsprechenden Vordruck oder ein Schreiben aushändigen.

Merkblätter und Hinweise zur Altersteilzeit sowie Formulare, die für den Arbeitgeber relevant sind, stehen hier zur Verfügung.